Kopf_AromapraxisAktuell




Ätherische Öle und die Gesetzgebung

Eine Zusammenfassung der aktuellen und der drohenden Restriktionen

In der Aromatherapie-Branche herrscht zur Zeit Gleichgültigkeit und auch Resignation bezüglich der sich immer mehr zuspitzenden gesetzlichen Einschränkungen von ätherischen Ölen. Ganz aktuell ist die im Sommer startende Registrierung von chemischen Substanzen REACH, die auch die natürlichen Duftstoffe einbeziehen wird. Prof. Dr. Dr. Dietrich Wabner kämpft mit dem von ihm gegründeten Verein N.O.R.A. seit Jahren an vorderster Front. Er zählt uns an dieser Stelle diese und auch andere aktuelle und drohende Fakten auf und wie man, wenn mehr Menschen gemeinsam kämpfen, diese Restriktionen eventuell noch lockern kann.


Durch die Verpflichtung zur Registrierung werden demnächst nicht zu tragende Kosten auf kleine Öle- und Kosmetikfirmen zukommen, so dass Vielfalt und Auswahl drastisch eingeschränkt werden.

REACH
Dieses Gesetzes-Werk ist seit letztem Jahr in Kraft. Die Registrierung beginnt im Juni 2008. REACH bedeutet Registration, Evaluation, Accreditation of Chemicals. Dies ist der lange ersehnte Versuch, alle gefährlichen Chemikalien zu erfassen und ev. zu verbieten, zumindest aber zu kontrollieren.
Prinzipiell fallen auch „Natural Substances“ wie die etherischen und fetten Öle darunter. Allerdings sind alle Stoffe ausgenommen, die mit weniger als einer Tonne im Jahr gehandelt werden. Damit wären die Öle der meisten Lieferanten frei von allen Einschränkungen.
Ausgenommen von dieser Freistellung sind nur alle als Gefahrstoffe deklarierten Substanzen. Damit sind die natürlichen etherischen und fetten Öle und alle ihre Mischungen wieder unter REACH zu behandeln.
Alleine die Registrierung stellt schon ein dramatisches Problem für mittelständische Unternehmen dar. Dies kostet 900 € für einen Stoff (1.200 € für die grosse Industrie). Eine kleine Firma mit etwa 300 unterschiedlichen Produkten müsste also 270.000 € alleine für die Registrierung zahlen. Es gilt dann der Grundatz: no registration- no market!
Die Kosten der Evaluierung und der Akkreditierung sind noch nicht abzusehen. Hier sind noch grosse Lücken in den Ausführungs-Bestimmungen. Das ganze System soll 2018 abgeschlossen sein.

R 65, Xn
Alle natürlichen etherischen Öle, die mehr als 10% Kohlenwasserstoffe enthalten, fallen unter die Gefahrstoff-Begriffe R 65 und Xn. Sie müssen auf dem Etikett folgende Sentenz tragen: „Gesundheitsschädlich beim Verschlucken. Kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen. Beim Verschlucken kein Erbrechen herbeiführen. Sofort ärztlichen Rat einholen und Verpackung oder dieses Etikett vorzeigen. Vor Kindern sichern.“ Dazu gehört das liegende Andreaskreuz auf signalroten Untergrund. Das betrifft etwa 92% der etherischen Öle. Dass viele Anwender, vor allem Mütter verunsichert sind wenn sie z.B. Lavendel-Öl für ihre Babies kaufen wollen, kann man gut nachvollziehen.

Angebliche Allergene
26 Inhaltsstoffe u. a. Citral (Geranial, Neral), Citronellol, Eugenol, Farnesol, Geraniol, Limonen und Linalool sind auf Packungen der Naturkosmetik als Allergene zu deklarieren. Es handelt sich um Inhaltsstoffe wichtiger Öle wie Lavendel, Melisse, Lemongrass, Geranie etc.

Methyleugenol (Safrol, Estragol)
Diese drei Stoffe dürfen in Leave-on-Produkten (zB Körperlöl, Bodylotion, Gesichtscreme) und therapeutischen Mischungen nur in der lächerlichen Konzentration von 0,0002% enthalten sein. Wir finden Estragol in Ölen wie Estragon, Anis, Bay, Fenchel, Pinie etc., Safrol in Campher, Stern­anis, Lorbeer, Fenchel, Muskat etc. Methyleugenol ist noch weiter verbreitet. Wir finden es in Rose (2,8-3,5%), Basilikum (6%), Tulsi (20%), Bay (4%), Piment (15%), Lorbeer (9), dazu kommen Cananga, Cassia, Citronella, Estragon, Nelke, Kampfer, Muskat, Myrte, Bohnenkraut, Ysop, Zitronenmelisse etc.. Viele Mischungen sind somit nichtmehr sinnvoll herzustellen. Es ist geplant, den Einsatz der drei Stoffe generell zu verbieten.

Teebaum-Öl
Dieses wertvolle Öl soll seit drei Jahren vollständig verboten werden. Wir haben hierbei sehr intensiv in Brüssel gekämpft und bis heute eine Verschiebung des Temins erreicht. Am 01. April fand eine letzte beschliessende Sitzung des SCCP (Scientific Committee of Consumer Products) statt. Wir dürfen gespannt sein, ob wir über einen solchen April-Scherz lachen können.

Biozide
Bekanntlich sind einige etherische Öle gute Mittel gegen Schadinsekten, Moskitos, Motten, Läuse etc. Diese Öle und ihre Mischungen werden daher als Biozide eingestuft und fallen unter die neuen strengen Bestimmungen dieser Stoff-Klasse. Sie müssen auf dem Etikett deklariert werden und dürfen beispielsweise nicht ins Abwasser gelangen. Dazu zählen Öle wie Lavendel, Citronella, Zeder, Patchouli, Lemongrass, Eucalyptus citriodora etc.

Zimt
Weihnachten vor zwei Jahren gab es diesen Versuch, Zimt und das dazugehörige Öl vom Markt zu nehmen, Zimtsterne (nur 1 Stern pro Tag für ein Kind), Milchreis mit Zimtzucker etc.). Es wurden gesetzliche Massnahmen gefordert, den Gebrauch des Inhalts-Stoffes Coumarin drastisch zu begrenzen. Dies ist gerade in Arbeit in Brüssel und Berlin.

Phototoxizität, Furocumarine
Furocoumarine als wichtige Inhaltsstoffe alle Zitrusöle sind angeblich phototoxisch. Daher sollen in Zukunft nur noch 1 ppm Furocumarine in kosmetischen und therapeutischen Mischungen enthalten sein. Zitronenöl enthält beispielsweise 3.000 ppm, Grapefruit 4.200 ppm, Bergamotte 6.000 ppm etc. Wirklich nachgewiesen ist die Phototoxizität für die Öle nicht. Sie sind nur einigermassen photosensibilisierend.

Ein berühmter Revolutionär, der einige Zeit in Zürich lebte und dann über München nach Moskau reiste, prägte den überaus wichtigen Satz:
„Wer nicht kämpft, der hat schon verloren!“

Die Aromatherapeuten und die Ölelieferanten haben bisher nicht wirklich gekämpft. Wir haben daher eine internationale Gruppe gebildet, die sich dem Kampf für die natürlichen Öle verschrieben hat. Es handelt sich um die Natural Oils Research Association, N.O.R.A.-International. Bisher ist die Gruppe ziemlich klein (25 Therapeutinnen/Therapeuten und Wissenschaftlerinnen/ Wissenschaftler). Beim Teebaum-Kampf konnten wir kleinere Scharmützel gewinnen. Wie’s ausgeht wissen wir nicht.
Auf jeden Fall muss der Kampf in der Zukunft anders aussehen als bisher.
| Die genannten Punkte müssen wissenschaftlich bearbeitet und geklärt werden.
| Damit kann in Brüssel bei dem zuständigen Kommissar Beschwerde eingereicht werden. Diese wird mit Sicherheit abgewiesen.
| Dann muss gegen diese Abweisung geklagt werden. Wir werden es nicht schaffen, Gesetze oder Verordnungen in unserem Sinne zu ändern. Aber per Gericht können Ausnahme-Genehmigungen für natürliche Öle erreicht werden. Das wollen wir durchsetzen.

Zugegeben, das ist ein langer, steiniger Weg. Politiker konnten uns bisher nicht helfen (3 oder 4 nette Politiker gegen 785 Mitglieder des Brüsseler Parlaments, und diese paar netten Kerlchen haben nicht einmal den Mund in den entscheidenden Sitzungen aufgemacht).
Wenn Sie also mitmachen wollen mailen Sie uns
prof.wabner@nora-international.de oder schauen Sie in unsere Website http://www.nora-international.de .

Dietrich Wabner









„Wir müssen für den Erhalt der natürlichen Öle und den Bestand der Aromatherapie kämpfen!“





N.O.R.A.


http://www.nora-international.de
prof.wabner@nora-international.de

















Andreaskreuz



























WADI-Öl



© Eliane Zimmermann
AiDA Aromatherapy International, Glengarriff
redaktion@aromapraxis.de