
Heldinnenhaft bei Wunden
Ein Loblied auf Achillea millefolium L., die Schafgarbe
„Augenbraue der Venus“. Diesen Name erhielt die Schafgarbe im Mittelalter, wo sie als hochgeschätztes Heilkraut, gerade für Frauen, verwendet wurde. Unter der Bezeichnung Supercilium veneris ist sie in mittelalterlichen Schriften erwähnt. Der neuere lateinische Name der Schafgarbe „Achillea millefolium“ entspringt einer Sage um den griechischen Held Achilles. Beim Kampf um Troja wurde er von einem Pfeil an der Ferse verwundet, die wir noch heute „Achillesferse“ nennen. Die Göttin Aphrodite gab ihm den Rat, diese Verwundung mit der Schafgarbe zu heilen. Hier haben wir eine weitere Verwendung der Schafgarbe als großes Wundheilmittel bei inneren und äußeren Verletzungen.
Diese Pflanze, die zur Familie der Korbblütengewächse – (Asteraceae) gehört, findet sich in ganz Europa, Nordasien und Nordamerika auf trockenen Wiesen und an Wegesrändern. Sie ist reich an Inhaltsstoffen und Heilgaben und eine große Heilpflanze mit bemerkenswerten Tugenden. Doch sie verunsichert auch mit befremdlichen Eigenschaften: Die Schafgarbe vermag auf der einen Seite Blutungen zu stillen, anderseits aber auch Blutungen zu verstärken. Hier ist die Unterscheidungskraft des Heilkundigen gefragt, was auch eine wesentliche Eigenschaft dieser Heilpflanze ist. Dem, der sie richtig einzusetzen mag, offenbart sie sich dann als eine der wertvollsten Pflanzen überhaupt. Sie eignet sich besonders für Menschen mit einem schwachen Unterscheidungsvermögen und fördert innere Erkenntnisprozesse. Als Tonica amarum (hoher Anteil an Bitterstoffen) findet man mit ihr ein Heilmittel für Magen und Darm mit zusätzlichen spasmolytischen und karminativen Eigenschaften. Aufgrund ihrer blutstillenden Wirkung bei inneren und äußeren Blutungen wird sie als Wundheilmittel ebenso hochgeschätzt wie als Frauenkraut und Periodenmittel bei starken Blutungen mit Krämpfen. Mit ihren vielfältigen Inhaltsstoffen unterstützt sie andere Heilkräuter einer Mischung in deren Wirkung und ist Bestandteil von Blutreinigungstees oder entgiftenden Mischungen für den Frühling. Die jungen Blätter sind ein Bestandteil der Gründonnerstagssuppe, die aus neunerlei Kräutern besteht. Vom Genuss dieser Suppe versprach man sich eine Schutzwirkung für die Gesundheit, die das ganze kommende Jahr anhalten sollte. Die Schafgarbe ist ein hervorragendes Heilmittel bei Erkrankungen, die in einem gestörten Rhythmus des Nerven-/Sinnes-Systems ihre Ursache haben. Sie stärkt das nervöse Herz und beruhigt die Nerven. Rudolph Steiner beschrieb die Schafgarbe als ein Pflanzenwesen, das ungemein erdentüchtig und solide sich nach außen darlebt und die Schwäche des Astralleibs ausbessert. In der Signatur der Schafgarbe finden wir zudem ausdauernde und zähe Lebenskräfte.
Das ätherische Öl der Schafgarbe, das auf den ersten Blick fast schwarz wirkt, doch bei näherem Hinsehen verwandelt es sich in ein dunkles tiefes blau – oder je nach Alter des Öles blaugrün. Es vermittelt mit seinem warmen, würzigen, süßen Kräuterduft, der einen Hauch von Schärfe beinhaltet, ein Gefühl von Frieden und Eingehülltsein. Ein Duft, der für Übergänge geschaffen ist und der die Intuition stärkt und hilft, die Grauzone zwischen Neuem und Alten zu überbrücken. Dies ist ein ätherisches Öl, ein Heilmittel, das stärkt und festigt. Das Mut gibt und Hoffnung schenkt. Eine Pflanze und ein ätherisches Öl gerade für Frauen, die innerliche Kämpfe gegen Sucht, psychische Krankheiten, Depressionen und Ängste austragen.
Es ist sehr gut geeignet in allen Lebenssituationen, in denen es um Veränderung geht und in denen man zusätzliche Kraft benötigt, einen neuen Weg zu beschreiten. Bei schwächenden Zuständen, die Erdung und Halt brauchen, kann in der Schafgarbe eine gute Heilerin gefunden werden. Starke Blutungen mit Krämpfen, Magen-/Darmbeschwerden mit Spasmen, Störungen im rhythmischen Geschehen eines Menschen, werden günstig beeinflusst.
Bei einer Erkältung mit beginnender Bronchitis, die mich aufgrund von Trauer, Schock und nervlicher Überlastung heimgesucht hatte, (natürlich in einem Moment, wo keine Zeit zum Ausruhen blieb) habe ich die Schafgarbe als „Riechmittel“ und Einreibung zusammen mit Rose und Muskatellersalbei verwendet, neben anderen typischen Erkältungskräutern. Die Verkrampfung, die mir das Atmen erschwerte und auch die Schwäche lösten sich innerhalb von drei Tagen auf. Patientinnen, denen ich eine Ölmischung mit Schafgarbe bei starken Blutungen und Krämpfen zusammengestellt habe oder die eine Behandlung mit diesem Öl erhalten haben, hatten bei konsequenter Anwendung zusätzlich mit Heilkräuteranwendungen innerhalb von zwei Monaten einen normalen Zyklus. Die Behandlung wurde danach weitergeführt, mit wechselnden Kräuteranwendungen und Ölmischungen, wobei die Schafgarbe immer Bestandteil dieser Mischungen ist. Selbst für Frauen mit monatelangen ständigen Blutungen ist mit der Wahl des richtigen Heilmittels und der konsequenten Anwendung eine normale Periode möglich.
Aber auch als Frauenöl zur Stärkung der weiblichen Kraft und der Intuition ist sie hervorragend geeignet.
Die Schafgarbe sollte eher niedriger dosiert werden, da in einer zu hohen Dosierung oder bei sehr empfindlichen Menschen, ein eher gegenteiliger Effekt zu beobachten ist. Eine Mischung für ein schönes Frauenöl, das ich sehr gerne in meiner Praxis verwende, ist folgende:
100 ml gutes Pflanzenöl
2 Tropfen Narde
3 Tropfen Schafgarbe
4 Tropfen Muskatellersalbei
4 Tropfen Rose türkisch
1 Tropfen Neroli
2 Tropfen Lavendel wild
Bitte genau in der Reihenfolge mischen, damit die Komposition sich harmonisch verbindet. Dies ist ein stärkendes Frauenöl und eine Wohltat für das Nervensystem, wenn es für Bauch, Brust und unteren Rücken in der Massage angewendet wird. Petra Schlier
Petra Schlier, Heilpraktikerin, Jahrgang 1957, arbeitet seit 15 Jahren hauptberuflich mit Pflanzen, ätherischen Ölen und körpertherapeutischen Anwendungen, seit nunmehr 4 Jahren als Heilpraktikerin in ihrer eigenen Praxis. Ihr Schwerpunkt sind Gesundheits-, Ernährungs- und Lebensberatung sowie die schamanische Heilarbeit u. a. mit Klang, Tanz und Meditation. Sie ist in ihrer Praxis auf einen ganzheitlichen Therapieansatz und die innewohnenden Ressourcen für Gesundheit und Heilung ausgerichtet. „Veränderung und Wachstum kann stattfinden, wenn die Ebene berührt wird, wo die Störung entstanden ist. Hierbei unterstützen mich die Pflanzen“geister“ auf sehr lebendige Art und Weise.“ Petra Schlier gibt ihr Wissen als Dozentin für Pflanzenheilkunde, Aromatherapie und -Massage bei THALAMUS, Schulen für ganzheitliche Heilkunde in Frankfurt weiter, wo sie auch als Dozentin in der Heilpraktikerausbildung tätig ist.
Praxis für Traditionelle Pflanzenheilkunde, Aromatherapie und schamanische Heilarbeit · Rodgau bei Frankfurt, Kontakt:
petra.schlier@arcor.de · Telefon (06106) 82 74 39




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